TSV Penzberg


UEWERSAUER TRAIL AM 18.11.2018


36 Sekunden fehlen zur Sensation

Markus wird Zweiter bei Ultra-Lauf-Premiere in Luxemburg über 52km

LUXEMBURG / 18.11.2018 -

Am Ende fehlten Markus beim Uewersauer Trail - Run 36 Sekunden zur großen Sensation. Nach mehr als 52 Kilometern, 2.000 Höhenmetern bergauf und bergab und fast 4 Stunden Wettkampfzeit erreichte der Penzberger nur kurz hinter dem deutschen Meister im Traillauf Moritz auf der Heide die Ziellinie. Damit feierte der 38-Jährige als Zweiter eine mehr als gelungene Ultra-Lauf-Premiere.

"Maschine"

„Maschine“, mehr als dieses Wort konnte Moritz auf der Heide nicht hervorbringen, als Markus dem am Boden liegenden Sieger im Ziel in der Heiderscheider Sporthalle gratulierte. Damit drückte der 31-jährige deutsche Meister seinen Respekt vor der Leistung seines Gegners aus: „Ich hatte Angst, dass mich Markus auf den letzten Kilometern noch einholen würde. Ich war am Ende meiner Kräfte und sah, wie er von hinten förmlich heranflog.“ Doch im Gegensatz zu Moritz hatte Markus seinen Kontrahenten quasi das ganze Rennen über nicht gesehen. „Ich habe Moritz erst bei Kilometer 51 gesehen. Ich konnte es gar nicht glauben, als ich ihn ungefähr 300 Meter vor mir auftauchen sag“, so der Läufer des TSV Penzberg. Diese Unglaubwürdigkeit resultierte daher, da sich Markus während des Rennens nicht wirklich gut fühlte und nach 42 Kilometern noch auf Rang 6 lag, 8:30 Minuten hinter Moritz und mehr als 4 Minuten auf die bis dahin Zweit- und Drittplatzierten.

Muskeln machen nach 10 Kilometern dicht

„Bereits nach 10 Kilometern haben meine beiden Wadenmuskeln dicht gemacht. Zudem hat sich meine rechte Oberschenkel-Vorderseite verkrampft.“ Als Begründung dafür machte rt einerseits die kühlen Temperaturen (-2°C am Start) aus, andererseits das hohe Tempo auf den ersten drei Kilometern, die relativ steil bergab führten. „Die vergangenen Wochen habe ich das Bergablaufen im Training vernachlässigt. Das habe ich heute wohl zu spüren zu bekommen“, so die Erklärung des Realschullehrers. Die muskulären Probleme führten nun dazu, dass er zwischen Kilometer 10 und 40 vor allem auf den Flachpassagen und den Bergabstücken deutlich an Boden auf die Konkurrenz verlor. „Jedes Mal, wenn ich auftrat, durchzogen Schmerzen mein rechtes Bein. Deshalb konnte ich keinen Druck machen und lief sehr vorsichtig bergab. Vor allem auf den teilweise sehr schmalen mit Laub überdeckten Wurzelpfaden hatte ich aufgrund der Schmerzen relativ wenig Trittsicherheit.“ Bergauf hingegen machte er immer wieder einige Meter auf seine Kontrahenten gut, da hier aufgrund der geringeren Aufprallkräfte die Schmerzen erträglich waren. Trotzdem wuchs sein Abstand nach vorne, seine Motivation sank in den Keller.

Marathon-Marke bringt die Wende

Nach der Marathon-Marke kehrte dann allerdings der Kampfgeist wieder zurück. „Als ich bei Kilometer 42 den niedrigsten Punkt der Strecke erreicht hatte, wusste ich, dass es jetzt mehrheitlich bergauf gehen würde, was mir ja an diesem Tag wesentlich besser lag als das Bergablaufen.“ So kämpfte sich der TSV-Läufer auf den nächsten 5 Kilometern, bei denen es insgesamt 400 Höhenmeter bergauf ging, auf den 3. Platz nach vorne. Während also Markus noch einmal richtig aufdrehte, mussten sich sowohl Moritz, als auch der bis dahin Zweitplatzierte Jean-Pierre Serafini (Luxemburg) übergeben und teilweise gehen. „Mir ging es richtig dreckig. So sehr musste ich noch nie kämpfen“, so der Wahl-Münchner zur Rennsituation nach 46 Kilometern. „Davon habe ich natürlich nichts mitbekommen, da beide Läufer zu diesem Zeitpunkt noch fast einen Kilometer vor mir waren“, so Markus, der nun auch bergab kaum etwas auf seine Konkurrenten verlor: „Mit der Aussicht auf einen Podestplatz habe ich versucht, die Schmerzen so weit wie möglich zu ignorieren.“

Markus fliegt Schlussanstieg nach oben

Bei Kilometer 47 überholte er dann Serafini, der beim letzten Verpflegungspunkt anhielt, um noch einmal seine Reserven aufzufüllen. Markus hingegen blieb nicht stehen und stürzte sich in den letzten Downhill. Nach der rasanten Bergabpassage folgte nun der abschließende, dreieinhalb Kilometer lange Anstieg hinauf ins Ziel nach Heiderscheid. „Nach dem ersten Drittel des Anstiegs blickte ich mich um und sah, dass Markus von hinten näherkam. Ich hoffte, dass er mich nicht sehen würde. Deshalb habe ich versucht, mich im Wald so klein wie möglich zu machen“, so der nicht ganz ernst gemeinte Kommentar von Moritz, der noch 90 Sekunden Vorsprung hatte. „Hätte ich Moritz zu diesem Zeitpunkt gesehen, hätte ich am Schlussanstieg alles riskiert und versucht, ihn einzuholen. Aber ich war überzeugt davon, dass er meilenweit vor mir liegen würde.“ Erst als Markus aus dem Wald herauskam, konnte er Deutschlands besten Trail-Läufer vor sich sehen, der sich nach 3:58:57 Stunden mit letzter Kraft ins Ziel rettete. Kaum eine halbe Minute später überquerte dann Markus die Ziellinie, der sein Glück kaum fassen konnte, hatte er doch gerade seinen ersten Ultra-Lauf (jeder Lauf, der länger als ein Marathon ist, wird als Ultra-Lauf bezeichnet) erfolgreich beendet. Vor den Kameras von RTL Luxemburg warteten die beiden deutschen Läufer dann noch auf Sven Remakel, der sich mit 4:04:01 Stunden den Titel des luxemburgischen Meisters sicherte.

Lasagne for free

Bevor sich Markus gemeinsam mit Conny auf die 7-stündige Rückfahrt machte, genossen er und die anderen noch die kostenlose Lasagne, die den insgesamt mehr als 1.000 Teilnehmern vom Veranstalter spendiert wurde. Auf der Heimfahrt wurde dann sogar im Radio bei RTL Luxemburg über den Lauf berichtet, wobei die Sprecher in Lachen ausbrachen, als sie die Namen von Moritz und Markus vorlasen...




Ergebnisse der Penzberger Athleten:

Name Jahrgang Disziplin Platz Ergebnis
Markus Brennauer198052km2.3:59:33 Std.

Ergebnisliste: Uewersauer Trail 52km